
Weniger ist mehr wert - davon profitieren alle
„Das ist kein Ruf nach Subventionen", erklärte ZV-Präsident Andreas Popp auf der diesjährigen ZV-Mitgliederversammlung im rheinland-pfälzischen Weinort Sankt Martin. „Angesichts einer unwägbaren Konjunkturentwicklung sehen wir darin vor allem eines: Die Chance, auch in Zukunft vielen Menschen in der Branche einen Arbeitsplatz beziehungsweise eine qualifizierte Ausbildung bieten zu können. Die Idee ist ebenso einfach wie effektiv. Eine Mehrwertsteuersenkung motiviert Nachfragesteigerungen, erzeugt dadurch positive Beschäftigungseffekte und dämmt gleichzeitig die Schwarzarbeit ein. Das alles entlastet den Staat und bringt zusätzliche Steuern und Sozialabgaben in die Staatskassen."
Das Friseurhandwerk erfüllt alle europäischen Kriterien für die Einführung einer reduzierten Mehrwertsteuer vorbildlich, denn Friseurdienstleistungen werden direkt am Endverbraucher erbracht, sie werden ausschließlich lokal angeboten und sind höchst arbeitsintensiv. Mehr noch: Die Kreativität und das handwerkliche Know-how der Friseure können nicht durch Maschinen ersetzt werden. Das heißt: Der reine Arbeitsanteil im Friseurhandwerk ist enorm hoch. Deshalb gehört der Beruf zu den personalstarken Branchen.
Wesentliches Ziel: positive Auswirkungen auf Beschäftigung und Ausbildung
Das Friseurhandwerk beschäftigt viele Menschen und bildet viele aus. Doch seine Stärke ist in Krisenzeiten zugleich seine Achillesverse. Sinkt die Nachfrage, können Umsatzausfälle fast nur über den Faktor Arbeit aufgefangen werden. Dann sind Arbeitsplätze in Gefahr. Das muss nicht sein! Seit Jahren schauen deutsche Friseurinnen und Friseure zu, wie in europäischer Nachbarschaft erfolgreich ermäßigte Mehrwertststeuersätze angewendet werden. Dies gilt gerade für das niederländische Friseurhandwerk. Eine aktuelle Studie dokumentiert den Erfolg des EU-Modellversuchs im Nachbarland: Dort konnte ein Beschäftigungswachstum von rund 15 Prozent erzielt und die Schwarzarbeit eingedämmt werden. Die positiven Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Ausbildung zählen zu den stärksten Argumenten für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen.
Eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen würde sich jedoch nicht nur vorteilhaft auf die Beschäftigung auswirken. Es gibt mindestens 7 gute Gründe für 7 Prozent:
1. mehr Stabilität
Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent schafft mehr Nachfrage und damit eine solide Voraussetzung: für sichere Arbeitsplätze, Neueinstellungen, Investitionen sowie Aus- und Fortbildungen. Sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen schaffen mehr Stabilität gerade in unsicheren Zeiten.
2. mehr Beschäftigung
Rund 250.000 Menschen arbeiten im Friseurhandwerk. Selbst in der Krise. Noch! Bei sinkender Nachfrage durch zurückhaltende Verbraucher sind in der Branche jedoch viele Arbeitsplätze bedroht. Dagegen helfen sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen, Beschäftigung zu sichern und aufzubauen.
3. mehr Ausbildung
Die Friseurunternehmen zählen zu den engagiertesten Ausbildern in Deutschland. Rund 40.000 junge Menschen erlernen bundesweit den Friseurberuf. Das ist überdurchschnittlich. Sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen ermöglichen, dieser gesellschaftlichen Aufgabe auch weiterhin gerecht zu werden.
4. weniger Schwarzarbeit
Die Schwarzarbeit im Friseurhandwerk boomt. Ihr Umfang wird auf bis zu 20 Prozent des legalen Branchenumsatzes geschätzt. Kein Wunder, denn wer weder Steuern, Sozialabgaben oder Miete zahlt, kann seine Arbeit immer günstiger anbieten. Und das auf Kosten legaler Beschäftigungsverhältnisse - und zum Schaden legalen Friseurunternehmen. Eine reduzierte Mehrwertsteuer würde diesen gefährlichen Trend eindämmen.
5. mehr Chancengleichheit
Kleinstbetriebe zeigen seit Jahren, wie gut man von einer reduzierten Mehrwertsteuer profitieren kann. Sie zahlen nämlich keine. Damit können sie ihre Dienstleistungen um fast ein Fünftel günstiger anbieten als die mehrwertsteuerpflichtigen Friseurunternehmen. Eine reduzierte Mehrwertsteuer würde mehr Fairness im Wettbewerb mit mehrwertsteuer-freien Kleinstbetrieben ermöglichen.
6. mehr Steuergerechtigkeit
Es ist gar nicht einzusehen, warum für Feinschmeckerprodukte wie „eingelegte Trüffel", Freizeitspaß wie Skilifte und den Handel mit Rennpferden der ermäßigte Mehrwertsteuersatz gilt, für Friseurdienstleistungen die das hygienische Grundbedürfnis der Menschen nach Haarpflege bedienen, dagegen nicht. Sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen bedeuteten insofern auch mehr Steuergerechtigkeit.
7. mehr Gleichbehandlung
Auch andere Benachteiligungen würden damit „entschärft". Denn bestimmte andere handwerkliche Leistungen in Privathaushalten sind steuerlich absetzbar. Ein wirksames Instrument zur Bekämpfung von Schwarzarbeit. Im Friseurhandwerk ginge das noch viel unbürokratischer: mit der Einführung eines Mehrwertsteuersatzes von 7 Prozent.
Sankt Martin (Rheinland-Pfalz), 22.06.2009
26/2009 dik
| |