
Auch der übermächtige Sparwillen der Bundesregierung kann die Friseure nicht entmutigen. Auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) in Essen waren sich alle einig: Die Branche braucht eine niedrigere und eine gerechtere Mehrwertsteuerregelung.
„Haushaltskonsolidierung und Wachstumspolitik müssen in Einklang gebracht werden. Sparen allein kann kein Rezept für eine gelingende Wirtschaftsentwicklung sein", erklärte Präsident Andreas Popp auf der ZV-Mitgliederversammlung 2010. In der Ruhrmetropole beschlossen die Delegierten, konsequent an der Forderung nach einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Friseurdienstleistungen festzuhalten und die starken Argumente für diese Maßnahme in den geplanten Reformprozess des MwSt-Systems einzubringen. „Steuerentlastungen und Schuldenabbau schließen sich nicht zwangsläufig aus. Wachstumsbarrieren müssen erkannt und abgebaut werden", sagte ZV-Präsident Popp. „Dazu gehört die grundsätzliche Neuausrichtung der Liste ermäßigter Mehrwertsteuersätze unter Berücksichtigung des Friseurhandwerks. Gerade im Hinblick auf die beachtlichen Beschäftigungseffekte ist dies dringend notwendig und letztendlich auch eine Frage der Steuergerechtigkeit."
Unfaire Konkurrenz durch Mikrobetriebe abschaffen
Ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent würde zugleich helfen, den Wettbewerb am Friseurmarkt fairer zu gestalten. Denn die wachsende Zahl der Mikrobetriebe, die unterhalb eines Jahresumsatzes von 17.500 Euro mehrwertsteuerfrei agieren, kann bislang Friseurdienstleistungen um fast ein Fünftel günstiger anbieten als die mehrwertsteuerpflichtigen Friseurunternehmen. Das führt zu eklatanten Wettbewerbsverzerrungen, unter denen besonders viele mittlere Friseurunternehmen leiden, die Mitarbeiter beschäftigen und engagiert ausbilden. Die ZV-Delegierten waren sich einig, dass diese unfaire Konkurrenz radikal abgebaut werden muss. Sie forderten daher eine gerechtere Gestaltung der Umsatzsteuerpflicht. Die Grundlage dafür hat der ZV-Wirtschaftsausschuss erarbeitet. In dessen Positionspapier wird argumentiert, die bestehende Optionsregelung auf eine echte Bagatellgrenze zurückzuführen und darüber hinaus den Aufwand für die Umsatzsteuerveranlagung für alle Betriebe mit einem Jahresumsatz bis zu 25.000 Euro zu vereinfachen. In ihrer Forderung bestärkt sahen sich die Delegierten durch den Umstand, dass die Privilegierung von Kleinstunternehmen mittlerweile europaweit als Problem erkannt und Handlungsbedarf angemeldet wurde. ZV-Hauptgeschäftsführer Rainer Röhr erläuterte die EU-Pläne: „Auf Anregung des Zentralverbandes will die EU-Kommission eine Studie durchführen, die untersuchen soll, inwieweit europäische Richtlinien oder Vorgaben gegen Beschäftigungsziele und den fairen Wettbewerb verstoßen, wenn sie den Großteil eines Wirtschaftsbereiches nicht erfassen und nur echte Arbeitgeber und ihre Beschäftigten treffen."
Modernisierung der Berufsbildung geht weiter
Als wichtiges Zukunftsthema stand auch die Berufsbildung auf der Agenda des Zentralverbandes. Der Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses (BBA) Robert Fuhs berichtete über die Weiterbildungsoffensive des Zentralverbandes und die intensive Arbeit an der Meisterprüfungsreform. Die erfolgreiche Modernisierung des Aus- und Weiterbildungssystems im Friseurhandwerk soll sukzessive fortgesetzt werden. Robert Fuhs stellte das Vorhaben dar, ein bundeseinheitliches Prüfungsfragen-Programm für die Gestreckte Gesellenprüfung einzuführen. Ein entsprechender Fragenpool soll künftig gemeinsam mit Partnern den Innungen zur Verfügung gestellt werden. Die Qualität der Ausbildung hängt nicht zuletzt von der professionellen Vermittlung des Know-hows ab. Um die Eignung von Ausbildern weiter zu fördern, schlägt der BBA deshalb eine Zusatzqualifizierung zum „geprüften Ausbilder" vor. Ein entsprechendes Zertifikat soll den hohen Anspruch an das Aus- und Weiterbildungssystem der Branche weiter stärken.
Neues Serviceportal: Zusatznutzen für Innungsbetriebe
Im Kontext wachsender Ansprüche definieren Betriebe die Attraktivität der Innungsmitgliedschaft zunehmend auch durch geldwerte Vorteile, die damit verbunden sind. Der Zentralverband hat deshalb gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Corporate Benefits ein Serviceportal für Innungsbetriebe im Internet eröffnet und den ZV-Delegierten in Essen vorgestellt. Der neue Online-Shop bietet hochwertige Produkte und Dienstleistungen namhafter Anbieter zu sehr günstigen Preisen. „Mit dem neuen Serviceportal hat der Zentralverband den Zusatznutzen, den eine Mitgliedschaft bietet, mit einem höchst attraktiven Angebot ergänzt", erklärte ZV-Präsident Andreas Popp. „Das stärkt die Mitgliederbindung und eignet sich hervorragend für die Mitgliederwerbung. Denn das neue Serviceportal bietet Leistungen, die für jedes Friseurunternehmen ansprechend sind. Wir haben ein weiteres, überzeugendes Argument für die Mitgliedschaft."
Starke Aktivitäten im Wettbewerbsbereich
Mit der Modernisierung der Deutschen Meisterschaften setzte der ZV-Fachbeirat bereits zu Beginn des Jahres wichtige Akzente im fachlichen Bereich. „Das neue Format hat die Attraktivität der Wettbewerbe erhöht und damit wesentlich zum Erfolg der diesjährigen Hair and Beauty beigetragen", sagte ZV-Art Director Franz-Josef Küveler. „Das neue Konzept soll nun auf die Wettbewerbe der Auszubildenden übertragen werden." Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Paris laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Als Überraschung für die Delegierten stellte Art Director Küveler in Essen die WM-Teams des Zentralverbandes vor, die zeitgleich vor Ort ihr Auswahltraining absolvierten. Die WM-Delegation des Zentralverbandes wird rund 70 Teilnehmer, Trainer, Betreuer und Verbandsvertreter umfassen.
Filmreife Sommerlooks: erfolgreiche Friseur-PR
Die aktuelle Frisurenkollektion bringt modischen Lifestyle auf den Punkt. Wie das aussieht und technisch umgesetzt wird, präsentierten Akteure des ZV-Modeteams anlässlich der Mitgliederversammlung im Rahmen einer Pressekonferenz den Medien. Die zeigten sich hoch interessiert. Allen voran der WDR. Der Zentralverband zeigte dem größten der ARD-Sender die aktuellen Sommerlooks und demonstrierte dabei zugleich jede Menge Friseurkompetenz: In einem Vorher-Nachher-Vergleich wurde ein Modell live typverändert. Das Ergebnis ist geradezu filmreif und kann über den Newsticker auf den ZV-Webseiten als Onlineversion betrachtet werden.
Köln, 15.06.2010
18/2010 dik
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