Haargesundheit neu gedacht
Willkommen zu unserer neuen Serie „Haargesundheit neu gedacht“. Hier zeigen wir Friseur:innen, wie ein ganzheitlicher Blick auf die Haargesundheit nicht nur das Wohlbefinden der Kund:innen verbessert, sondern auch Kundenbindung stärkt, Expertise sichtbar macht und den Umsatz im Salon steigern kann.
Alle zwei Wochen erwarten Sie vertiefende Inhalte und praxisnahe Tipps. Freuen Sie sich auf inspirierende Fachartikel, wissenschaftliche Einblicke und konkrete Ideen, die Sie direkt in Ihrem Salonalltag umsetzen können.
Entdecken Sie neue Perspektiven auf Haargesundheit und lassen Sie sich inspirieren, Ihr Angebot und Ihre Beratung weiterzuentwickeln.
Haargesundheit neu gedacht – warum Pflege allein nicht mehr ausreicht
Im Salonalltag zeigt sich ein klarer Trend: Kundinnen und Kunden fragen nicht mehr nur nach Styling und Pflege, sondern nach Ursachen – bei Haarausfall, dünner werdendem Haar oder Kopfhautproblemen. Doch wo endet Kosmetik, und wo beginnt echte Haargesundheit? Darüber sprechen wir mit Prof. Dr. Dr. Fred Harms und Prof. Dr. Dorothee Gänshirt von der BENEGANIC AG.
Redaktion:
Herr Professor Harms, Frau Professor Gänshirt – viele Kund:innen erwarten, dass Produkte von außen das Haarwachstum verbessern. Ist das realistisch?
Prof. Harms:
Kosmetik kann das äußere Erscheinungsbild von Haut und Haar verbessern – sie pflegt, schützt und verschönert. Doch sie wirkt grundsätzlich nur an der Oberfläche. Haarwachstum entsteht nicht an der Haarspitze, sondern im Haarfollikel. Und dieser wird ausschließlich über die innere Versorgung erreicht.
Prof. Gänshirt:
Das ist eine wichtige Abgrenzung. Kosmetische Produkte beanspruchen keine medizinische Wirkung – und dürfen sie auch nicht. Sie können Feuchtigkeit spenden oder das Haar glänzender erscheinen lassen. Echte Haargesundheit beginnt dort, wo Stoffwechsel, Durchblutung, Nährstoffversorgung und Entzündungsprozesse eine Rolle spielen.
Redaktion:
Warum wird dieses Thema gerade jetzt im Salon so relevant?
Prof. Harms:
Weil sich die Fragen der Kundschaft verändern. Viele Menschen bemerken mit zunehmendem Alter Veränderungen bei Haarfülle, Struktur oder Kopfhaut. Diese Veränderungen haben oft systemische Ursachen – Stress, hormonelle Umstellungen oder Nährstoffdefizite. Das lässt sich nicht „wegpflegen“.
Prof. Gänshirt:
Schönheit und Gesundheit sind keine Gegensätze. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb rückt Haargesundheit heute stärker in den Fokus – auch im Salon.
Redaktion:
Was bedeutet das für Friseurinnen und Friseure?
Prof. Harms:
Der Salon ist und bleibt der zentrale Ort für Haar- und Kopfhautkompetenz. Neben handwerklichem Können wird fundiertes Wissen immer wichtiger. Wer Haargesundheit einordnen kann, schafft Vertrauen – und langfristige Kundenbindung.
Haargesundheit ist kein Trend, sondern eine neue Perspektive auf Beratung, Kompetenz und Kundenbeziehung im Salon.
In der nächsten Ausgabe vertiefen wir den Unterschied zwischen Haarpflege und Haargesundheit – und erklären, warum die Haut eine entscheidende Rolle spielt.
Volles Haar beginnt im Körper: Warum Vitamine und Mineralstoffe entscheidend sind
Viele Kund:innen investieren viel Zeit in Pflegeprodukte. Das ist wichtig, doch die Grundlage für kräftiges Haar entsteht bereits in der Haarwurzel. Damit ein Haarfollikel gesund arbeiten kann, braucht der Körper bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Strukturbausteine. Genau hier beginnt echte Haargesundheit.
Nachdem wir in der ersten Ausgabe gezeigt haben, dass Haargesundheit weit über äußere Pflege hinausgeht, lohnt sich ein Blick auf die biologischen Grundlagen: Was braucht ein Haar eigentlich, um gesund zu wachsen?
Jeder Haarfollikel ist ein hochaktiver Zellverbund. Damit dort kontinuierlich neue Haarsubstanz entstehen kann, ist der Körper auf eine stabile Versorgung mit bestimmten Nährstoffen angewiesen. Denn Wachstum, Stärke und Struktur des Haares werden nicht an der Oberfläche beeinflusst – sondern im Inneren des Körpers gesteuert.
Drei Bausteine spielen dabei eine zentrale Rolle:
- Vitamine unterstützen wichtige Stoffwechselprozesse und tragen zur Energieversorgung der Haarwurzel bei.
- Mineralstoffe und Spurenelemente sind entscheidend für Zellteilung und Versorgung der Haarfollikel.
- Strukturbausteine wie Keratin bilden die Grundlage der Haarstruktur.

Gesundes, kräftiges Haar ist weit mehr als ein rein ästhetisches Merkmal. Es ist Ausdruck innerer Balance, eines funktionierenden Stoffwechsels und einer gezielten Versorgung des Körpers mit essenziellen Nährstoffen. Moderne Ansätze in der Haarpflege und -therapie gehen daher längst über oberflächliche Behandlungen hinaus. Stattdessen rückt ein ganzheitliches Verständnis in den Mittelpunkt – eines, das die biologischen Grundlagen des Haarwachstums berücksichtigt und systematisch unterstützt.
Ein besonders wirkungsvolles Modell hierfür ist das Konzept der „vier Säulen der Haargesundheit“. Es basiert auf der Erkenntnis, dass gesundes Haar nur dann entstehen und erhalten bleiben kann, wenn vier zentrale Bereiche optimal zusammenspielen: Struktur, Versorgung, Schutz und hormonelle Balance. Jede dieser Säulen erfüllt eine spezifische Funktion, doch erst ihr Zusammenspiel ermöglicht nachhaltige Ergebnisse. Wird eine dieser Säulen vernachlässigt, kann dies das gesamte System destabilisieren und sich negativ auf Haarwachstum, Haarqualität und Haardichte auswirken.
Im Folgenden werden diese vier Säulen ausführlich erläutert – mit dem Ziel, ein tiefes Verständnis für ihre Bedeutung und ihr Zusammenspiel zu schaffen.
1. Struktur – das Fundament des Haares
Die erste Säule der Haargesundheit bildet die Struktur. Sie stellt gewissermaßen das Fundament dar, auf dem alles Weitere aufbaut. Haare bestehen hauptsächlich aus Keratin, einem strukturellen Protein, das für Festigkeit, Elastizität und Widerstandsfähigkeit verantwortlich ist. Damit der Körper dieses Keratin optimal bilden kann, benötigt er bestimmte Bausteine – insbesondere Aminosäuren, Vitamine und Spurenelemente.
Zu den zentralen Komponenten dieser strukturellen Grundlage gehören:
• Keratin, selbst als Hauptbestandteil des Haares
• L-Cystein, eine schwefelhaltige Aminosäure, die entscheidend für die Keratinbildung ist
• Biotin (Vitamin B7), das eine Schlüsselrolle im Zellstoffwechsel spielt und zur Erhaltung normaler Haare beiträgt
Eine stabile Haarstruktur sorgt dafür, dass Haare nicht nur wachsen, sondern auch widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen sind. Fehlt es an diesen grundlegenden Bausteinen, wird das Haar brüchig, dünn oder verliert an Spannkraft. Selbst wenn andere Faktoren optimal sind, kann ohne eine solide strukturelle Basis kein gesundes Haar entstehen.
Darüber hinaus beeinflusst die Struktur nicht nur die sichtbare Haarqualität, sondern auch die Verankerung des Haares in der Kopfhaut. Eine gestörte Struktur kann dazu führen, dass Haare schneller ausfallen oder nicht mehr richtig nachwachsen.
Die strukturelle Säule ist daher nicht nur der Ausgangspunkt, sondern auch eine dauerhafte Voraussetzung für jede Form von Haarregeneration.
2. Versorgung – die Grundlage für Wachstum und Vitalität
Während die Struktur die Basis bildet, sorgt die zweite Säule – die Versorgung – dafür, dass das Haar überhaupt wachsen kann. Haarfollikel gehören zu den aktivsten Zellstrukturen im menschlichen Körper. Sie benötigen kontinuierlich Energie und Nährstoffe, um neue Haarzellen zu bilden.
Eine optimale Versorgung umfasst:
• Vitamine, insbesondere Vitamin D3, das an zahlreichen Zellprozessen beteiligt ist
• Antioxidative Pflanzenstoffe, wie beispielsweise Safranextrakt
• Traubenkernextrakt, reich an Polyphenolen, die die Zellgesundheit unterstützen
Diese Nährstoffe fördern die Durchblutung der Kopfhaut, verbessern die Zellteilung im Haarfollikel und unterstützen die Energieproduktion. Ohne eine ausreichende Versorgung kann das Haarwachstum verlangsamt oder sogar gestoppt werden.
Ein häufig unterschätzter Aspekt ist, dass Haarwurzeln besonders sensibel auf Mangelzustände reagieren. Während andere Körperbereiche kurzfristige Defizite kompensieren können, zeigt sich ein Nährstoffmangel im Haar oft schnell – beispielsweise durch verstärkten Haarausfall oder verlangsamtes Wachstum.
Die Versorgungssäule stellt daher sicher, dass alle notwendigen Ressourcen kontinuierlich bereitgestellt werden. Sie ist der „Motor“ des Haarwachstums.
3. Schutz – Abwehr gegen schädliche Einflüsse
Die dritte Säule der Haargesundheit ist der Schutz. Selbst wenn Struktur und Versorgung optimal sind, kann das Haar durch äußere und innere Stressfaktoren geschädigt werden. Zu den wichtigsten Belastungen gehören:
• Oxidativer Stress, verursacht durch freie Radikale
• Entzündungsprozesse in der Kopfhaut
• Umweltfaktoren wie UV-Strahlung, Luftverschmutzung oder chemische Belastungen
Hier kommen schützende Substanzen ins Spiel, die das Haar und die Kopfhaut stabilisieren und vor Schäden bewahren. Zu den wichtigsten gehören:
• Vitamin E, ein starkes Antioxidans
• Traubenkernextrakt, der freie Radikale neutralisiert
• Zink und Selen, die zur normalen Funktion des Immunsystems beitragen und Zellschäden reduzieren
Diese Stoffe wirken wie ein Schutzschild. Sie verhindern, dass schädliche Einflüsse die Haarwurzel angreifen und das Wachstum beeinträchtigen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, Entzündungen zu reduzieren – ein entscheidender Faktor, da chronische Entzündungen häufig mit Haarausfall in Verbindung stehen.
Der Schutz ist somit nicht nur eine defensive Maßnahme, sondern ein aktiver Bestandteil der Haargesundheit. Ohne ihn wären selbst gut versorgte Haarfollikel dauerhaft gefährdet.
4. Balance – die hormonelle Steuerung
Die vierte Säule bildet die Balance, insbesondere die hormonelle Regulation. Hormone spielen eine zentrale Rolle im Haarwachstumszyklus. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), das bei genetisch veranlagten Personen zu Haarausfall führen kann.
Eine gesunde hormonelle Balance ist entscheidend, um:
• den natürlichen Haarwachstumszyklus zu erhalten
• übermäßigen Haarausfall zu verhindern
• die Aktivität der Haarfollikel zu stabilisieren
Zu den unterstützenden Wirkstoffen in diesem Bereich gehören:
• Sägepalmenextrakt, der die Umwandlung von Testosteron in DHT beeinflussen kann
• Beta-Sitosterol, ein pflanzlicher Wirkstoff, der ebenfalls regulierend auf den Hormonhaushalt wirkt
Diese Substanzen tragen dazu bei, das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren und die negativen Auswirkungen eines Überschusses an bestimmten Hormonen zu reduzieren.
Die Balance-Säule ist besonders wichtig, da hormonelle Ungleichgewichte oft die Ursache für langfristige Haarprobleme sind. Ohne eine gezielte Regulierung können selbst optimale Struktur, Versorgung und Schutz ihre Wirkung nicht vollständig entfalten.
Das Zusammenspiel der vier Säulen
Das Besondere an diesem Konzept ist nicht nur die Betrachtung einzelner Faktoren, sondern ihr Zusammenspiel. Die vier Säulen sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.
- Eine gute Struktur benötigt eine ausreichende Versorgung, um aufgebaut zu werden
• Eine optimale Versorgung ist nur effektiv, wenn das Haar gleichzeitig geschützt wird
• Der beste Schutz nützt wenig, wenn hormonelle Ungleichgewichte das Wachstum blockieren
• Die Balance wiederum wirkt sich auf alle anderen Bereiche aus
Dieses Zusammenspiel lässt sich mit einem stabilen Gebäude vergleichen: Fehlt eine tragende Säule, gerät das gesamte System ins Wanken.
Ein ganzheitlicher Ansatz zur Haargesundheit bedeutet daher, alle vier Bereiche gleichzeitig zu berücksichtigen. Einzelmaßnahmen, die nur einen Aspekt adressieren, führen häufig nicht zu nachhaltigen Ergebnissen.
Warum ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend ist
Viele herkömmliche Haarpflegeprodukte konzentrieren sich ausschließlich auf äußere Anwendungen – etwa Shampoos oder Seren. Diese können zwar kurzfristige Effekte erzielen, greifen jedoch selten die eigentlichen Ursachen von Haarproblemen an.
Das Konzept der vier Säulen setzt hingegen auf eine systemische Unterstützung. Es berücksichtigt:
• die biologischen Prozesse im Haarfollikel
• die Rolle von Nährstoffen und Mikronährstoffen
• die Bedeutung des Immunsystems
• hormonelle Einflüsse
Dieser Ansatz ermöglicht es, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern die Grundlage für langfristig gesundes Haar zu schaffen.
Fazit: Die vier Säulen der Haargesundheit – Struktur, Versorgung, Schutz und Balance – bilden gemeinsam die Basis für starkes, vitales und widerstandsfähiges Haar. Jede dieser Säulen erfüllt eine unverzichtbare Funktion:
• Struktur liefert die Bausteine
• Versorgung ermöglicht Wachstum
• Schutz bewahrt vor Schäden
• Balance reguliert die Prozesse
Erst ihr Zusammenspiel schafft die Voraussetzungen für nachhaltige Haargesundheit.
Wer sein Haar langfristig stärken und regenerieren möchte, sollte daher nicht auf isolierte Maßnahmen setzen, sondern einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Die vier Säulen bieten hierfür ein wissenschaftlich fundiertes und zugleich praxisnahes Modell – eine solide Grundlage für gesundes Haar von innen heraus.
Für Friseurinnen und Friseure wird dieses Wissen zunehmend relevant. Immer mehr Kund:innen kommen mit Fragen zu Haarausfall, dünner werdendem Haar oder geschwächter Haarstruktur in den Salon. Wer versteht, welche Faktoren die Haarwurzel beeinflussen, kann Beratung auf ein neues Niveau heben und Kund:innen ganzheitlicher begleiten.
Was bedeutet das konkret für die Praxis – und warum spielen gerade Vitamine und Mineralstoffe eine so zentrale Rolle für gesundes Haar?
Dazu haben wir mit unseren Experten gesprochen Prof. Dr. Dr. Fred Harms und Prof. Dr. Dorothee Gänshirt von der BENEGANIC AG gesprochen.
Experteninterview: Organische Vitamine & Mineralien – die unterschätzten Bausteine für gesundes Haar
Redaktion: Viele Menschen greifen bei Haarproblemen sofort zu speziellen Shampoos oder Pflegeprodukten. Warum sprechen Sie stattdessen von Vitaminen und Mineralstoffen als Schlüssel für gesundes Haar?
Prof. Gänshirt: Weil Haare letztlich im Körper entstehen – nicht auf der Kopfhautoberfläche. Haarpflege kann die Struktur eines Haares zwar optisch verbessern, doch Wachstum, Stärke und Dichte werden im Haarfollikel gebildet. Dafür benötigt der Körper bestimmte Nährstoffe. Besonders organisch gebundene Vitamine und Mineralstoffe spielen hier eine entscheidende Rolle.
Redaktion: Was genau bedeutet „organisch“ in diesem Zusammenhang?
Prof. Harms: Organisch bedeutet, dass ein Mineralstoff oder ein Vitamin in einer natürlichen Verbindung vorliegt – also beispielsweise an Aminosäuren, Pflanzenstoffe oder natürliche Träger gebunden ist. Diese Formen ähneln den Nährstoffen, wie sie auch in Lebensmitteln vorkommen. Dadurch können sie vom Körper effizienter transportiert und in Stoffwechselprozesse eingebaut werden.
Redaktion: Warum ist das speziell für Haare so wichtig?
Prof. Gänshirt: Haare gehören zu den schnell wachsenden Strukturen unseres Körpers. Ein Haar kann durchschnittlich etwa einen Zentimeter pro Monat wachsen. Damit dieser Prozess funktioniert, müssen die Haarzellen ständig neue Proteine bilden, insbesondere Keratin. Dafür braucht der Körper eine stabile Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen. Fehlen diese, reagiert der Körper oft zuerst mit dünner werdendem Haar, verlangsamtem Wachstum oder verstärktem Haarausfall.
Redaktion: Welche Nährstoffe sind dabei besonders relevant?
Prof. Harms: Biotin unterstützt beispielsweise den Keratinaufbau. Zink spielt eine wichtige Rolle bei der Zellteilung im Haarfollikel. Eisen ist entscheidend für die Sauerstoffversorgung der Haarwurzel, während Selen antioxidative Prozesse unterstützt. Auch B-Vitamine tragen dazu bei, den Energiestoffwechsel der Haarzellen aufrechtzuerhalten.
Redaktion: Viele dieser Stoffe findet man auch in synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln. Wo liegt der Unterschied?
Prof. Gänshirt: Der Unterschied liegt vor allem in der Bioverfügbarkeit. Organisch gebundene Mineralstoffe – etwa als Chelate oder aus natürlichen Quellen – können oft besser aufgenommen werden als rein synthetische Formen. Das bedeutet, dass ein größerer Anteil tatsächlich dort ankommt, wo er gebraucht wird: in den Zellen. Für die Haarwurzel kann das einen entscheidenden Unterschied machen.
Redaktion: Heißt das, Haarprobleme sind häufig ein Zeichen für Nährstoffmangel?
Prof. Harms: Nicht immer, aber sehr häufig. Haare sind gewissermaßen ein Spiegel des inneren Stoffwechsels. Wenn der Körper unter Stress steht oder bestimmte Nährstoffe fehlen, priorisiert er lebenswichtige Organe. Die Haarproduktion wird dann eher heruntergefahren. Deshalb können Veränderungen im Haar manchmal ein früher Hinweis darauf sein, dass dem Körper bestimmte Bausteine fehlen.
Redaktion: Warum werden diese Nährstoffe Ihrer Meinung nach oft unterschätzt?
Prof. Gänshirt: Weil sie unsichtbar wirken. Ein Shampoo zeigt sofort einen Effekt – glänzenderes oder glatteres Haar. Mikronährstoffe dagegen wirken im Hintergrund, über Wochen oder Monate. Doch genau dort entsteht die eigentliche Haarqualität. Wenn der Körper kontinuierlich die richtigen Bausteine erhält, kann er kräftigeres, widerstandsfähigeres Haar produzieren.
Redaktion: Welche Rolle spielt die Ernährung dabei?
Prof. Harms: Eine sehr große. Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Nüssen, Vollkornprodukten und hochwertigen Proteinen liefert viele der benötigten Mikronährstoffe. Allerdings zeigen moderne Ernährungsgewohnheiten, dass immer mehr Menschen nicht ausreichend versorgt sind – sei es durch einseitige Ernährung, Stress oder Entzündungsprozesse, die zu einer eingeschränkten Nährstoffaufnahme führen können. In solchen Fällen können gezielt eingesetzte organische Nahrungsergänzungen sinnvoll sein.
Redaktion: Was würden Sie Menschen raten, die ihr Haar langfristig stärken möchten? Was ist Ihr Fazit?
Prof. Gänshirt: Der wichtigste Schritt ist ein ganzheitlicher Blick. Gesunde Haare entstehen durch das Zusammenspiel von Ernährung, Stoffwechsel, Hormonen und Lebensstil. Wer seinem Körper ausreichend organische Vitamine und Mineralstoffe zuführt, schafft eine stabile Grundlage für gesundes Haarwachstum. Man könnte sagen: Gute Haarpflege beginnt nicht im Badezimmer, sondern in der Küche oder im Esszimmer.
In der nächsten Ausgabe:
Keratin neu gedacht – warum nicht jedes Keratin vom Körper genutzt werden kann.

„Keratin ist der zentrale Baustoff unserer Haare – doch seine Qualität entsteht nicht an der Oberfläche, sondern tief im Haarfollikel.“
– Prof. Dr. Dr. Harms
Keratin ist der zentrale strukturelle Bestandteil unserer Haare. Es verleiht ihnen Festigkeit, Elastizität und Widerstandskraft. Betrachtet man ein einzelnes Haar genauer, wird schnell klar: Es ist kein passives Anhängsel, sondern das Ergebnis eines hochkomplexen biologischen Prozesses.
Die Entstehung von Haarqualität
Keratin entsteht nicht im sichtbaren Haar, sondern tief in der Haut: im Haarfollikel. In der sogenannten Haarmatrix, dem unteren Bereich des Follikels, teilen sich Zellen besonders schnell. Diese Zellen differenzieren sich, verhornen und bilden schließlich das Haar, das aus der Kopfhaut herauswächst.
Wichtig zu wissen: Sobald das Haar die Kopfhaut verlassen hat, ist es biologisch gesehen tot. Es verfügt über keine Stoffwechselaktivität und kann sich nicht selbst regenerieren. Schäden, die am sichtbaren Haar entstehen, lassen sich daher nur kosmetisch kaschieren, nicht reparieren.
Äußere Pflege vs. innere Versorgung
Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen kosmetischer Pflege und innerer Haargesundheit:
- Äußere Anwendungen wie Shampoos, Conditioner oder Keratinbehandlungen wirken ausschließlich auf das bereits gewachsene Haar. Sie glätten die Oberfläche, füllen Lücken in der Haarstruktur und verleihen Glanz.
- Diese Effekte sind temporär. Sie verbessern das Aussehen, verändern aber nicht die Qualität des nachwachsenden Haares.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass äußerlich aufgetragenes Keratin die Haarwurzel erreichen und den Haarfollikel stärken kann. Biologisch ist das allerdings nicht möglich: Die Haut besitzt eine hochwirksame Barrierefunktion. Das Stratum corneum schützt den Körper vor Fremdstoffen, und große Proteinmoleküle wie Keratin können diese Barriere nicht überwinden. Sie bleiben an der Oberfläche oder dringen höchstens in die äußersten Schichten des Haarschafts ein.
Die entscheidende Rolle der inneren Versorgung
Keratin wird im Körper aus Aminosäuren aufgebaut – besonders aus schwefelhaltigen Bausteinen wie L-Cystein. Nur wenn diese ausreichend zur Verfügung stehen, kann der Haarfollikel stabiles und widerstandsfähiges Haar bilden.
Fehlen diese Bausteine, entstehen Haare, die dünn, brüchig oder kraftlos wirken. Äußere Pflegeprodukte können diesen Mangel nicht ausgleichen, sie kaschieren lediglich die Symptome.
Zudem ist die zeitliche Dimension entscheidend: Haare wachsen in Zyklen über mehrere Monate. Die Qualität wird bereits in der Wachstumsphase festgelegt. Was in dieser Phase fehlt, kann später nicht mehr durch äußere Anwendungen korrigiert werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Studien bestätigen: Nährstoffmängel, etwa an Aminosäuren, Vitaminen oder Spurenelementen, stehen direkt mit Haarproblemen wie Haarausfall oder verminderter Haarqualität in Zusammenhang. Die gezielte Zufuhr dieser Nährstoffe kann daher die Qualität des Haares langfristig verbessern: vom Ansatz her, an der Quelle.
Praxis für den Salon
Für Friseur:innen bedeutet das: Wer Haargesundheit ganzheitlich betrachtet, weiß, dass die Grundlage für schönes, kräftiges Haar im Körper entsteht. Äußere Pflegeprodukte bleiben wichtig, sind aber nur ein unterstützender Faktor.
Äußere Pflege unterstützt, die innere Versorgung liefert die Basis: Zusammen bilden sie gesundes, widerstandsfähiges Haar!
Die Friseurbranche befindet sich im Wandel. Was früher primär als handwerkliche Dienstleistung verstanden wurde – Schneiden, Färben, Stylen – entwickelt sich zunehmend zu einer ganzheitlichen Beratung rund um Wohlbefinden, Ausstrahlung und Gesundheit. Kundinnen und Kunden erwarten heute weit mehr als einen guten Haarschnitt. Sie suchen Orientierung, Individualität und Expertise, die über das klassische Friseurhandwerk hinausgeht. In diesem Kontext entsteht eine neue Rolle: Friseur:in als Lifestylecoach.
Warum Kunden heute mehr erwarten als Styling
Die Ansprüche der Kundschaft haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Digitalisierung, Social Media und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein haben dazu geführt, dass Menschen informierter sind als je zuvor. Trends verbreiten sich in Sekunden, Schönheitsideale sind allgegenwärtig – und gleichzeitig wächst der Wunsch nach Authentizität und Individualität.
Kundinnen und Kunden kommen nicht mehr nur mit dem Ziel in den Salon, „gut auszusehen“. Sie möchten sich verstanden fühlen. Sie wünschen sich eine Beratung, die ihre Persönlichkeit, ihren Lebensstil und ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt. Ein Haarschnitt ist dabei nur ein Teil des Gesamtbildes.
Themen wie Stress, Ernährung, hormonelle Veränderungen oder Umweltbelastungen spielen eine immer größere Rolle – und sie wirken sich direkt auf Haar- und Kopfhautgesundheit aus. Wenn Haare dünner werden, stumpf wirken oder ausfallen, suchen viele Menschen nach Antworten. Der Friseursalon wird dabei oft zur ersten Anlaufstelle.
Das eröffnet enorme Chancen. Denn genau hier kann sich der Friseur oder die Friseurin neu positionieren: nicht nur als Stylist:in, sondern als kompetente:r Ansprechpartner:in für ganzheitliche Schönheit und Wohlbefinden.
Vom Handwerk zur ganzheitlichen Beratung
Das klassische Friseurhandwerk bleibt die Grundlage – und das wird sich auch nicht ändern. Präzision, Technik und Kreativität sind weiterhin essenziell. Doch darüber hinaus gewinnt die Beratungsleistung immer stärker an Bedeutung.
Ein moderner Friseur analysiert nicht nur Haarstruktur und Gesichtsform, sondern stellt Fragen:
- Wie ist der Alltag der Kundin oder des Kunden?
- Wie viel Zeit steht für Styling zur Verfügung?
- Welche Belastungen bestehen – beruflich oder privat?
- Wie sieht die Ernährung aus?
Diese Fragen mögen auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, sind aber entscheidend, um ein ganzheitliches Bild zu erhalten. Denn Haare sind ein Spiegel des inneren Zustands. Sie reagieren sensibel auf Mangelzustände, Stress oder hormonelle Dysbalancen.
Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Kundinnen und Kunden nicht nur optisch verändern, sondern nachhaltig begleiten.
Die neue Rolle: Friseur:in als Lifestylecoach
Der Begriff „Lifestylecoach“ beschreibt diese Entwicklung treffend. Es geht nicht darum, medizinische Diagnosen zu stellen oder therapeutisch zu arbeiten. Vielmehr geht es um eine erweiterte Beratungskompetenz, die verschiedene Lebensbereiche miteinander verbindet.
Ein Lifestylecoach im Friseurhandwerk:
- erkennt Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Haarzustand
- gibt Impulse für Veränderungen
- begleitet Kundinnen und Kunden auf ihrem Weg zu mehr Wohlbefinden
- schafft Vertrauen durch ganzheitliches Denken
Diese Rolle erfordert Empathie, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, sich klar vom Wettbewerb abzuheben.
Denn während viele Salons weiterhin ausschließlich auf Technik und Haar-Trends setzen, entsteht hier ein neuer Mehrwert: echte, individuelle Beratung mit nachhaltigem Effekt.
Mikronährstoffe: Schlüssel zur Haar- und Kopfhautgesundheit
Ein besonders spannender Bereich in diesem Zusammenhang ist die Mikronährstoffberatung. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit von Haaren und Kopfhaut.
Biotin, Zink, Eisen, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren – sie alle beeinflussen Wachstum, Struktur und Widerstandskraft der Haare. Ein Mangel kann sich schnell bemerkbar machen: Haarausfall, brüchige Spitzen oder eine gereizte Kopfhaut sind häufige Symptome.
Hier kann der Friseur als erste Anlaufstelle fungieren. Natürlich ersetzt diese Beratung keine ärztliche Diagnose, doch sie kann wichtige Hinweise geben und Kundinnen und Kunden sensibilisieren.
Ein Beispiel:
Eine Kundin klagt über vermehrten Haarausfall. Statt ausschließlich kosmetische Produkte zu empfehlen, stellt der Friseur gezielte Fragen:
Gab es kürzlich Stress?
Wurde die Ernährung umgestellt?
Bestehen bekannte Mangelerscheinungen?
Allein durch diese Gespräche entsteht ein neues Bewusstsein. Ergänzend können gezielte Empfehlungen ausgesprochen werden – etwa zur Unterstützung durch bestimmte Nährstoffe oder zur Anpassung der Haarpflege.
Das Ergebnis: Die Kundin fühlt sich ernst genommen und ganzheitlich betreut.
Gesundheitsbewusstsein als Chance für die Branche
Der Trend hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein ist kein kurzfristiger Hype, sondern eine nachhaltige Entwicklung. Menschen investieren zunehmend in ihr Wohlbefinden – körperlich wie mental.
Für die Friseurbranche bedeutet das: Wer sich in diesem Bereich positioniert, erschließt neue Potenziale. Dienstleistungen werden nicht mehr nur nach Preis bewertet, sondern nach Mehrwert.
Ein Salon, der ganzheitliche Beratung bietet, wird anders wahrgenommen. Er wird zum Ort der Begegnung, des Vertrauens und der persönlichen Weiterentwicklung. Kundinnen und Kunden kommen nicht nur für einen Termin – sie kommen für ein Erlebnis.
Das stärkt nicht nur die Kundenbindung, sondern auch die eigene berufliche Zufriedenheit. Denn die Arbeit bekommt eine neue Tiefe und Bedeutung.
Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg
Die Erweiterung der eigenen Kompetenzen geschieht nicht von selbst. Sie erfordert gezielte Weiterbildung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Themen wie:
- Grundlagen der Ernährung
- Wirkung von Mikronährstoffen
- Zusammenhang zwischen Stress und Haarzustand
- Kommunikation und Beratungstechniken
werden zunehmend relevant.
Dabei geht es nicht darum, zum Arzt oder Ernährungswissenschaftler zu werden. Vielmehr geht es um ein fundiertes Basiswissen, das im Alltag angewendet werden kann.
Weiterbildung bietet hier gleich mehrere Vorteile:
- Fachliche Sicherheit: Mehr Wissen schafft mehr Kompetenz in der Beratung.
- Differenzierung: Ein erweitertes Leistungsangebot hebt vom Wettbewerb ab.
- Selbstbewusstsein: Wer Zusammenhänge versteht, tritt souveräner auf.
- Wirtschaftlicher Erfolg: Ganzheitliche Konzepte ermöglichen neue Preismodelle und Zusatzleistungen.
Vor allem aber eröffnet Weiterbildung neue Perspektiven. Sie macht den Beruf abwechslungsreicher, spannender und zukunftsfähiger.
Der Salon als Ort der Transformation
Ein moderner Friseursalon kann weit mehr sein als ein Ort für äußere Veränderungen. Er kann zu einem Raum werden, in dem Menschen sich neu entdecken, reflektieren und entwickeln.
Das Gespräch während eines Friseurbesuchs hat oft eine besondere Qualität. Es ist persönlich, vertraulich und geprägt von Nähe. Diese Situation bietet die ideale Grundlage für eine ganzheitliche Beratung.
Ein Lifestylecoach im Salon nutzt diese Chance bewusst. Er hört zu, stellt die richtigen Fragen und gibt Impulse, die über das Offensichtliche hinausgehen.
So entsteht ein Mehrwert, der weit über den Spiegel hinauswirkt.
Motivation für den nächsten Schritt
Die Entwicklung vom klassischen Friseur hin zum Lifestylecoach ist keine Pflicht – aber eine große Chance. Sie ermöglicht es, den eigenen Beruf neu zu denken und aktiv zu gestalten.
Wer bereit ist, sich weiterzubilden und neue Perspektiven einzunehmen, kann:
- seine Kundschaft intensiver begleiten
- sich klar am Markt positionieren
- neue Einkommensquellen erschließen
- und vor allem mehr Sinn in der eigenen Arbeit finden
Die Branche braucht Menschen, die diesen Wandel mitgestalten. Die neugierig sind, offen für Neues und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Denn: Die Zukunft des Friseurhandwerks liegt nicht nur in perfekten Schnitten oder Farbtechniken – sondern in der Fähigkeit, Menschen ganzheitlich zu verstehen und zu begleiten.
Fazit
Friseur:in als Lifestylecoach ist mehr als ein Trend. Es ist eine Antwort auf die veränderten Bedürfnisse unserer Zeit. Kunden erwarten heute Individualität, Kompetenz und ganzheitliche Beratung.
Wer diese Erwartungen erfüllt, schafft nicht nur zufriedene Kundinnen und Kunden, sondern baut langfristige Beziehungen auf. Gleichzeitig eröffnet sich eine neue berufliche Dimension – geprägt von Wachstum, Inspiration und Sinnhaftigkeit.
Die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen: Bleibt man beim klassischen Handwerk – oder nutzt man die Chance, den Beruf weiterzuentwickeln?
Die Möglichkeiten sind da. Jetzt gilt es, sie zu ergreifen.
250.000 Chancen täglich: Warum die Generation 40+ Ihr wichtigster Wachstumsmarkt ist
Wussten Sie, dass jeden Tag rund 250.000 Menschen mit Haarproblemen einen Salon in Deutschland betreten? Das ist kein Zufall, sondern Demografie. Bei den Männern ab 40 Jahren ist es jeder zweite, bei den Frauen ab 50 Jahren jede dritte, die unter dünner werdendem Haar oder Haarausfall leidet.
Das Problem: 80 % dieser Kunden suchen aktiv nach Lösungen – wandern aber oft in die Apotheke oder Drogerie ab, weil sie im Salon „nur“ Styling, aber keine gesundheitliche Expertise erwarten.
Prof. Dr. Dr. Fred Harms im Fokus: „Haarkompetenz ist das neue Tafelsilber“
Wir haben Prof. Harms gefragt, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Salons ist, umzudenken:
„Das zahlungskräftige Publikum zwischen 40 und 60 Jahren erwartet heute mehr als einen handwerklich perfekten Haarschnitt. Das ist die Pflicht. Die Kür ist die Entwicklung hin zum Lifestyle- oder Gesundheitscoach. Wer die physiologischen Zusammenhänge von Haargesundheit versteht und beraten kann, schafft eine Kundenbindung, die weit über den nächsten Termin hinausreicht.“
Warum die Generation 40-60 für Ihren Salon entscheidend ist:
- Hohe Zahlungsbereitschaft: Diese Zielgruppe investiert massiv in den Erhalt ihrer Vitalität und Ausstrahlung („Pro-Aging“).
- Emotionaler Leidensdruck: Haarverlust ist ein tiefgreifendes Thema. Wer hier als kompetenter Partner (statt nur als Verkäufer) auftritt, gewinnt lebenslanges Vertrauen.
- Abgrenzung zum Wettbewerb: Während Discounter über den Preis kommen, punkten Sie mit evidenzbasierter Beratung. Sie holen die Kund:innen dort ab, wo Drogeriemärkte aufhören: bei der individuellen, fachlichen Begleitung.
Vorschau auf die nächste Ausgabe: In zwei Wochen schauen wir uns an, wie „Silent Inflammation“ (stille Entzündungen) das Haarwachstum bremsen – und wie Sie Ihren Kunden helfen können, das „Feuer“ zu löschen.
Haarausfall hat viele Ursachen – und selten nur eine einzige. Stress, hormonelle Veränderungen, genetische Faktoren oder unterschwellige Entzündungsprozesse wirken häufig zusammen. Für Friseur:innen entsteht daraus eine neue Rolle: Veränderungen frühzeitig erkennen, einordnen und Kund:innen kompetent begleiten.
Redaktion: Herr Professor Harms, viele Kund:innen nehmen Haarausfall zunächst als plötzliches Problem wahr. Ist das aus wissenschaftlicher Sicht zutreffend?
Prof. Dr. Dr. Fred Harms: Das ist ein sehr typischer Eindruck, entspricht aber nur selten der biologischen Realität. Haarausfall entsteht in den meisten Fällen nicht akut, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Was Betroffene als „plötzlich“ wahrnehmen, ist häufig der Moment, in dem die Veränderungen sichtbar werden. Die zugrunde liegenden Prozesse – etwa hormonelle Umstellungen, chronische Stressbelastung oder entzündliche Veränderungen – bestehen oft schon deutlich länger.
Redaktion: Das heißt, Haarausfall hat in der Regel mehrere Ursachen?
Prof. Harms: Genau. Aus wissenschaftlicher Sicht sprechen wir von einem multifaktoriellen Geschehen. In der Praxis sehen wir nur selten isolierte Ursachen. Vielmehr handelt es sich meist um ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, hormonellen Einflüssen, Stress und – zunehmend im Fokus – entzündlichen Prozessen im Körper. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und können sich in ihrer Wirkung verstärken.
Redaktion: Welche Rolle spielt die genetische Veranlagung in diesem Zusammenhang?
Prof. Harms: Die genetische Disposition ist ein zentraler Faktor, insbesondere bei der androgenetischen Alopezie. Sie bestimmt im Wesentlichen die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber bestimmten hormonellen Einflüssen, insbesondere gegenüber Dihydrotestosteron (DHT). Allerdings ist auch hier wichtig zu verstehen: Die genetische Veranlagung allein erklärt nicht das gesamte Ausmaß des Haarverlustes. Lebensstilfaktoren und systemische Einflüsse können den Verlauf deutlich modulieren.
Redaktion: Sie haben hormonelle Einflüsse angesprochen. In welchen Lebensphasen sind diese besonders relevant?
Prof. Harms: Hormonelle Veränderungen spielen insbesondere in bestimmten Übergangsphasen eine wichtige Rolle. Dazu zählen beispielsweise die Zeit nach einer Schwangerschaft, die Perimenopause und Menopause sowie auch Phasen erhöhter hormoneller Dysregulation, etwa durch Stress oder bestimmte Erkrankungen. In diesen Situationen kann es zu Veränderungen im Haarzyklus kommen, insbesondere zu einer Verkürzung der Wachstumsphase oder einem vermehrten Übergang in die Ruhephase.
Redaktion: Ein Thema, das zunehmend diskutiert wird, ist die sogenannte Silent Inflammation. Was ist darunter zu verstehen?
Prof. Harms: Der Begriff „Silent Inflammation“ beschreibt niedriggradige, chronische Entzündungsprozesse im Körper, die häufig lange unbemerkt bleiben. Diese Prozesse können unter anderem durch Stress, unausgewogene Ernährung oder metabolische Faktoren begünstigt werden. Für die Haargesundheit sind sie insofern relevant, als sie die Mikrozirkulation und damit die Versorgung der Haarfollikel beeinträchtigen können. Über feine Gefäßstrukturen werden Nährstoffe und Sauerstoff transportiert – wenn diese Versorgung gestört ist, kann sich das langfristig auf die Haarqualität und das Haarwachstum auswirken.
Redaktion: Welche Rolle spielt Stress in diesem Zusammenhang?
Prof. Harms: Stress ist ein wesentlicher Modulator. Chronische Stressbelastung beeinflusst sowohl hormonelle als auch immunologische Prozesse. So kann es beispielsweise zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen kommen, die den Haarzyklus beeinflussen. Gleichzeitig kann Stress entzündliche Prozesse fördern und regenerative Mechanismen beeinträchtigen. Auch hier zeigt sich wieder: Es handelt sich nicht um eine isolierte Ursache, sondern um einen Faktor, der andere Prozesse verstärken kann.
Redaktion: Was bedeutet dieses komplexe Zusammenspiel für die Praxis im Salon?
Prof. Harms: Friseur:innen nehmen hier eine sehr interessante und zunehmend wichtige Rolle ein. Sie sind häufig die ersten, die Veränderungen am Haar oder an der Kopfhaut wahrnehmen. Dazu gehören etwa ein reduziertes Volumen, Veränderungen in der Haarstruktur oder Auffälligkeiten im Bereich des Scheitels. Wichtig ist dabei allerdings die klare Abgrenzung: Friseur:innen stellen keine medizinischen Diagnosen. Ihre Stärke liegt vielmehr in der frühzeitigen Wahrnehmung und in der sensiblen Einordnung von Veränderungen. Sie können Kund:innen darauf aufmerksam machen und – wenn erforderlich – zu einer weiterführenden Abklärung raten.
Redaktion: Kann man also von einer neuen Beratungsqualität im Salon sprechen?
Prof. Harms: Ja, durchaus. Die Anforderungen an die Beratung im Salon haben sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Kund:innen erwarten zunehmend nicht nur eine ästhetische Dienstleistung, sondern auch Orientierung in Fragen der Haargesundheit. Wer die zugrunde liegenden Mechanismen versteht, kann Zusammenhänge besser erklären und individueller beraten. Das stärkt nicht nur das Vertrauen, sondern positioniert den Salon auch als kompetente Anlaufstelle.
Praxis-Checkliste für den Salon
Mögliche frühe Anzeichen für Haarveränderungen:
- Sichtbar reduziertes Volumen, insbesondere im Ansatzbereich
- Vermehrter Haarverlust beim Waschen oder Bürsten
- Veränderungen im Scheitelbereich (z. B. Verbreiterung oder Aufhellung)
- Feinere oder brüchiger wirkende Haarstruktur
- Sensible, gereizte oder auffällige Kopfhaut
- Hinweise der Kund:innen auf erhöhten Stress oder hormonelle Veränderungen
Hinweis für die Beratung:
Diese Beobachtungen stellen keine medizinische Diagnose dar. Sie können jedoch als Grundlage für ein strukturiertes Beratungsgespräch dienen und dabei helfen, Kund:innen frühzeitig für mögliche Veränderungen zu sensibilisieren.
Kund:innen erwarten heute mehr als nur Pflege – sie suchen echte Lösungen und kompetente Beratung.
Haargesundheit ist längst mehr als ein Trendthema. Immer mehr Salons integrieren ganzheitliche Beratung rund um Haar, Kopfhaut und Lebensstil aktiv in ihren Alltag und erleben dabei eine stärkere Kundenbindung, neue Gesprächsanlässe und zusätzliche Umsatzpotenziale.
Wie das in der Praxis aussehen kann, berichtet Friseurmeisterin und ZV-Vorstandsmitglied Ines Tietböhl im Gespräch.

Nachdem wir in den vergangenen Ausgaben die biologischen Grundlagen von Haargesundheit, die Rolle von Mikronährstoffen und die wachsende Bedeutung ganzheitlicher Beratung beleuchtet haben, stellt sich für viele Salons die Frage:
Wie lässt sich dieses Wissen konkret im Alltag umsetzen?
Denn Kund:innen kommen heute zunehmend mit Fragen zu Haarausfall, dünner werdendem Haar oder geschwächter Haarstruktur in den Salon. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach individueller Beratung und langfristigen Lösungen.
Friseurmeisterin und ZV-Vorstandsmitglied Ines Tietböhl hat das Thema Haargesundheit frühzeitig in ihren Salon integriert und berichtet, welche Erfahrungen sie damit gemacht hat. Fachlich, menschlich und unternehmerisch.
Interviewpartnerin: Ines Tietböhl, Friseurmeisterin und ZV-Vorstandsmitglied
- Warum haben Sie sich entschieden, das Thema Haargesundheit aktiv in Ihren Salon zu integrieren, und wie setzen Sie dieses Thema konkret in Ihren Dienstleistungen und Behandlungen um?
Um ganz ehrlich zu sein, habe ich dem Thema Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Haargesundheit lange eher zurückhaltend gegenübergestanden. Für mich kamen solche Ansätze ursprünglich nicht wirklich infrage. Dann gab es jedoch einen persönlichen Fall in meiner Familie, bei dem ich mit den klassischen Friseurprodukten an meine Grenzen gestoßen bin und gemerkt habe, dass ich nicht mehr weiterkomme. In dieser Situation habe ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt und das Nahrungsergänzungsmittel Beneganic zunächst als Versuch ausprobiert. Die Ergebnisse haben mich tatsächlich überrascht und überzeugt, sodass ich immer offener dafür wurde und mich tiefer mit dem Thema Haargesundheit auseinandergesetzt habe. Über die Akademie von Beneganic konnte ich zusätzlich sehr viel Fachwissen aufbauen. Genau dieses Wissen hat mir geholfen, das Thema heute sicher und praxisnah in meinen Salonalltag zu integrieren.
- Wie haben Sie Ihr Team auf die neue Rolle vorbereitet bzw. geschult?
Da ich inzwischen alleine arbeite, stellte sich für mich die Frage nach der Schulung eines Teams nicht. Umso wichtiger war es aber, selbst gut vorbereitet zu sein und fundiertes Wissen aufzubauen. Genau dabei hat mich die Akademie sehr unterstützt. Durch die Schulungen konnte ich mich intensiv mit dem Thema Haargesundheit auseinandersetzen und habe Sicherheit für die Beratung und den Einsatz im Salonalltag gewonnen.
- Wie wurde das Angebot rund um Haargesundheit von Ihrer Kundschaft aufgenommen, und inwiefern hat sich dadurch die Kundenbindung verändert?
Es gibt sehr viele Kund:innen, die unter Haarverlust oder einer geschwächten Haarstruktur leiden. In den Gesprächen und Beratungen merke ich immer wieder, wie offen und dankbar viele Menschen bei diesem Thema sind. Ich habe für mich festgestellt, dass die Kombination aus innerer und äußerer Unterstützung deutlich intensiver wirkt und genau das bestätigen mir auch viele meiner Kund:innen. Besonders spannend finde ich, wie offen inzwischen auch untereinander darüber gesprochen wird. Das Thema beschäftigt viele Menschen, und oft fehlt ihnen jemand, der sich wirklich Zeit dafür nimmt. Genau hier können wir Friseur:innen mit unserer Nähe zu den Kund:innen und unserer Erfahrung einen echten Mehrwert bieten. Inzwischen habe ich viele Kund:innen, die regelmäßig Produkte nachkaufen, und ich erlebe dabei eine große Wertschätzung und Dankbarkeit.
- Konnten Sie durch das Konzept eine Steigerung bei Umsatz oder Zusatzverkäufen feststellen, und gab es einen bestimmten Moment, an dem Sie gemerkt haben: „Das Konzept funktioniert wirklich“?
Am Anfang stand für mich gar nicht der Gedanke an eine Umsatzsteigerung im Vordergrund – ich wollte in erster Linie meinen Kund:innen helfen und ihnen bei einem oft sehr emotionalen Thema Unterstützung bieten. Als ich dann jedoch gemerkt habe, dass die Beratung gut angenommen wird, erste sichtbare Erfolge entstehen und die Kund:innen begeistert sind, wurde mir bewusst, welches Potenzial in diesem Konzept steckt. Mit der Zeit konnte ich dadurch auch eine spürbare Umsatzsteigerung feststellen. Heute ist das Thema Haargesundheit ein fester Bestandteil meines Salonalltags geworden. Die Beratung gehört inzwischen ganz selbstverständlich dazu und ich möchte diesen Bereich in meinem Angebot nicht mehr missen.
- Was würden Sie anderen Saloninhaber:innen empfehlen?
Ich kann das Thema anderen Saloninhaber:innen definitiv empfehlen. Für mich bietet es die Möglichkeit, sich klar von Mitbewerbern abzugrenzen und Kund:innen einen echten Mehrwert zu bieten – besonders bei Themen wie Haarverlust, aber inzwischen auch rund um Haut- und allgemeines Wohlbefinden. Ich beobachte, dass viele Kund:innen heute bereit sind, bewusst in Gesundheit und Beauty zu investieren, gerade wenn sie das Gefühl haben, individuell und kompetent beraten zu werden. Wenn erste Erfolge sichtbar werden, entsteht oft großes Vertrauen und die Kund:innen kommen regelmäßig wieder. Dadurch entwickelt sich das Thema nach einer intensiven und guten Beratung fast ganz natürlich weiter. Besonders hilfreich finde ich zudem die Schulung und Betreuung, weil sie Sicherheit im Umgang mit den Themen geben. Und wenn doch einmal Fragen auftauchen, bekommt man schnell Unterstützung und fachlichen Austausch.
- Gibt es ein konkretes Kundenbeispiel, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Es gibt tatsächlich einige Erlebnisse, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Ein Herrenkunde erzählte beispielsweise während eines Bootsausflugs anderen Urlauber:innen von seiner persönlichen Haarroutine und den positiven Erfahrungen, die er gemacht hatte. Kurze Zeit später stand genau eine dieser Urlauberinnen bei mir im Salon und wollte auf seine Empfehlung hin ebenfalls mehr über das Konzept erfahren.
Ein anderes Beispiel war eine Kundin, die etwa sechs Wochen nach ihrem Start mit dem Konzept spontan in ihrer Mittagspause vorbeikam und fragte, ob es die Produkte auch für Männer gebe. Ihr Mann habe bei ihr so viele positive Veränderungen bemerkt, dass er nun selbst großes Interesse daran entwickelt habe. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie stark persönliche Erfahrungen und echte Ergebnisse weitergetragen werden.
Haargesundheit als Zukunftsthema im Salon
Das Beispiel von Ines Tietböhl zeigt, wie stark sich das Thema Haargesundheit inzwischen im Salonalltag etabliert. Immer mehr Friseur:innen erleben, dass Kund:innen heute mehr erwarten als Styling und klassische Pflege – sie suchen Orientierung, individuelle Beratung und ganzheitliche Lösungen rund um Haar, Kopfhaut und Wohlbefinden.
Genau hier setzt die von Prof. Dr. Dr. Fred Harms und Prof. Dr. Dorothee Gänshirt-Harms entwickelte Ausbildungsakademie Haargesundheit an. Die Akademie verfolgt einen modernen, ganzheitlichen Ansatz und betrachtet Haar- und Hautgesundheit weit über klassische Kosmetik hinaus. Im Fokus stehen die biologischen Zusammenhänge von Mikronährstoffen, Hormonen, Mikrozirkulation, oxidativem Stress und weiteren Faktoren, die Haarqualität und Haarwachstum beeinflussen können.
Die Weiterbildung vermittelt wissenschaftlich fundiertes und zugleich praxisnahes Wissen zu moderner Haargesundheit, Nutraceuticals und salonorientierter Beratung. Ziel ist es, Friseur:innen dabei zu unterstützen, ihre Beratungskompetenz zu erweitern, neue Kund:innenbedürfnisse professionell aufzugreifen und den Salon langfristig als moderne Kompetenzadresse rund um Haar und Wohlbefinden zu positionieren.
Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Kund:innen schätzen Salons, die nicht nur verschönern, sondern Zusammenhänge verstehen und individuelle Lösungen begleiten können. Für viele Betriebe eröffnet sich dadurch ein neues Zukunftsfeld – mit stärkerer Kundenbindung, zusätzlicher Expertise und neuen Entwicklungsmöglichkeiten im Beauty- und Gesundheitsmarkt.
Die Ausbildungsakademie findet online unter der Leitung von Prof. Dr. med. habil. Dorothee Gänshirt-Harms statt. Der nächste Kurs startet am 22. Juni 2026 und läuft bis zum 20. Juli 2026. Die Termine finden jeweils montagabends um 19:00 Uhr statt. Der Kurs schließt mit einer Prüfung sowie einem Zertifikat als Mikronährstoffberater:in Haargesundheit ab.
Sie möchten das Thema Haargesundheit auch in Ihren Salon integrieren und an der Ausbildungsakademie teilnehmen?
Dann melden Sie sich gerne per Mail unter: info@friseurhandwerk.de
Gemeinsam für gesundes Haar: Wenn Friseurhandwerk und Medizin zusammenwirken
Immer mehr Kundinnen und Kunden suchen bei Haarproblemen nach ganzheitlichen Lösungen. Dabei wächst auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Friseur, Dermatologie und Haarmedizin. Besonders im Bereich Haartransplantation und Nachsorge entstehen neue Chancen für Salons, ihre Beratungskompetenz zu erweitern und Kund:innen langfristig zu begleiten.
Haargesundheit entwickelt sich zunehmend zu einem interdisziplinären Thema. Während Friseur:innen täglich Veränderungen an Haaren und Kopfhaut wahrnehmen, verfügen medizinische Fachbereiche über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten bei krankheitsbedingtem Haarausfall oder hormonellen Ursachen.
Gerade bei Themen wie androgenetischem Haarausfall, empfindlicher Kopfhaut oder Haartransplantationen zeigt sich, wie wertvoll eine enge Zusammenarbeit sein kann. Denn nachhaltige Ergebnisse entstehen nicht allein durch einen medizinischen Eingriff oder kosmetische Pflege, sondern durch eine langfristige Begleitung der Kund:innen.
Nach einer Haartransplantation beispielsweise spielt die Nachsorge eine entscheidende Rolle. Die Kopfhaut benötigt Zeit zur Regeneration, der Haarfollikel muss optimal versorgt werden und viele Kund:innen wünschen sich Orientierung im Umgang mit Pflege, Ernährung und Lebensstil. Genau hier können Friseur:innen eine wichtige unterstützende Rolle übernehmen.
Durch regelmäßigen Kontakt, Vertrauen und Beratungskompetenz werden Salons zunehmend zu langfristigen Ansprechpartnern rund um Haar und Wohlbefinden. Kundinnen und Kunden erwarten heute nicht nur schöne Haare, sondern individuelle Empfehlungen und nachvollziehbare Lösungen.
Für das Friseurhandwerk eröffnet sich dadurch ein spannendes Zukunftsfeld: die Verbindung aus Beauty, Beratung und Gesundheitskompetenz. Wer Zusammenhänge versteht und Kund:innen ganzheitlich begleitet, kann sich klar im Markt positionieren und neue Zielgruppen erschließen.
Impuls für den Salonalltag
- Kund:innen frühzeitig auf Veränderungen aufmerksam machen
- Grenzen zwischen kosmetischer Beratung und medizinischer Diagnose kennen
- Zusammenarbeit mit Dermatolog:innen oder Haarzentren aufbauen
- Kund:innen auch nach Behandlungen langfristig begleiten
Fazit
Die Zukunft der Branche liegt zunehmend in vernetzter Kompetenz. Friseur:innen bleiben die wichtigsten Ansprechpartner:innen rund ums Haar und können durch Wissen über Haargesundheit, Prävention und Nachsorge ihre Rolle entscheidend erweitern.
Nächste Ausgabe
Mehr als Haare: Welche Auswirkungen Haargesundheit auch auf Haut, Nägel und das allgemeine Wohlbefinden haben kann.
Kompetenz, Vertrauen und ganzheitliche Beratung werden zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren der Branche
Die Zukunft erfolgreicher Salons beginnt nicht beim Styling allein. Sie beginnt dort, wo Friseur:innen Zusammenhänge verstehen, Vertrauen schaffen und Kund:innen ganzheitlich begleiten. Warum Haargesundheit dabei eine Schlüsselrolle spielt und weshalb die Branche vor einem spannenden Wandel steht, erläutern Prof. Dr. Dr. Fred Harms und Prof. Dr. Dorothee Gänshirt-Harms im Interview.
Redaktion:
Herr Professor Harms, Frau Professor Gänshirt – warum sprechen Sie von einer historischen Chance für Friseursalons?
Prof. Harms:
Weil sich die Rolle des Friseursalons fundamental verändern wird. Jahrzehntelang wurde der Friseur primär über Schnitt, Farbe und Styling definiert. Das bleibt wichtig. Aber die eigentliche Zukunft der Branche entscheidet sich heute an einer anderen Frage:
Spürt der Kunde einen echten Unterschied?
Noch nie war es so einfach, einen Friseur oder eine Friseurin zu ersetzen. Trends verbreiten sich in Sekunden. Produkte sind überall verfügbar. Tutorials erklären jeden Handgriff. Künstliche Intelligenz beginnt bereits Beratungsprozesse zu übernehmen. Und genau deshalb entsteht paradoxerweise eine völlig neue Sehnsucht: Menschen suchen wieder echte menschliche Kompetenz.
Prof. Gänshirt:
Viele Salons unterschätzen, wie stark sich die Erwartungen der Kunden verändern. Früher wollten Menschen vor allem gut aussehen. Heute möchten sie verstehen, warum sich ihre Haare verändern. Warum sie dünner werden. Warum die Kopfhaut empfindlicher reagiert. Genau dort verlässt man die klassische Kosmetik und betritt das Feld der biologischen Haargesundheit.
„Viele Salons verkaufen «nur» Frisuren, während Kunden:innen längst in anderen Dimensionen denken.“
Redaktion:
Das klingt nach einem grundlegenden Wandel.
Prof. Harms: Vielleicht ist es genau das. Die eigentliche Krise vieler Salons beginnt nicht beim Umsatz. Sondern in dem Moment, in dem Kund:innen keinen emotionalen Unterschied mehr spüren. Wenn alles vergleichbar wird, bleibt am Ende nur noch der Preis. Genau dort beginnt Austauschbarkeit.
Prof. Gänshirt: Genau deshalb ist Haargesundheit wahrscheinlich weit mehr als ein Zusatzgeschäft. Sie ist möglicherweise das strategische Tafelsilber der gesamten Branche.
Menschen beschäftigen sich heute mit Longevity, Healthy Aging, Prävention, Stress, hormoneller Balance, Mikrobiom und biologischem Altern. Und plötzlich wird klar: Haare sind nicht nur ein Styling Thema. Sie sind ein biologischer Marker.
Haare altern nicht isoliert
Redaktion: Sie sprechen auffallend häufig über biologische Prozesse.
Prof. Gänshirt: Weil Haare biologisch betrachtet Teil eines größeren Systems sind. Haare altern nicht isoliert. Sie altern gemeinsam mit dem Organismus.
Oxidativer Stress, chronische Entzündungen, Schlafqualität, hormonelle Veränderungen oder psychische Belastung beeinflussen die Haar- und Kopfhautgesundheit massiv.
Prof. Harms: Vereinfacht gesagt: Der Spiegel im Salon zeigt längst nicht mehr nur Frisuren. Er zeigt biologische Veränderungsprozesse.
Und genau deshalb berührt Haarverlust Menschen emotional so tief. Für viele geht es dabei nicht nur um Ästhetik. Sondern um Jugendlichkeit, Identität, Vitalität und Selbstwert.
Die Kopfhaut: Das vielleicht am meisten unterschätzte System der Beautybranche
Redaktion: Warum sprechen Sie so häufig über die Kopfhaut?
Prof. Harms: Weil die Kopfhaut wahrscheinlich das am meisten unterschätzte biologische System der gesamten Beautybranche ist.
Viele behandeln Haare – aber kaum jemand beschäftigt sich ernsthaft mit der biologischen Umgebung, aus der Haare überhaupt entstehen.
Die Kopfhaut besitzt ein eigenes Mikrobiom, komplexe Immunprozesse, entzündliche Signalwege und eine empfindliche Barrierefunktion. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, leidet langfristig auch der Haarfollikel.
Prof. Gänshirt: Vielleicht liegt genau dort die nächste große Revolution der Branche: Nicht noch mehr Styling. Sondern endlich biologisches Verständnis.
„Vor der Therapie hat der liebe Gott die Diagnostik gestellt.“
Redaktion: Ein Satz von Ihnen sorgt aktuell für Aufmerksamkeit.
Prof. Gänshirt: Weil genau dort der entscheidende Unterschied liegt. Es ist biologisch unsinnig, Menschen ohne Analyse einfach irgendein Produkt zu verkaufen.
Wenn entzündliche Prozesse, Stressfolgen, hormonelle Veränderungen oder Mikronährstoffdefizite vorliegen, wird kein beliebiges Shampoo die eigentliche Ursache lösen.
Prof. Harms: Der Unterschied zwischen Beauty und echter Haargesundheit beginnt in dem Moment, in dem der Salon nicht mehr nur verkauft – sondern versteht.
Digitale Kopfhautanalyse, Analyse der Haarfollikel, Barrierestatus oder Entzündungszeichen verändern die Qualität der Beratung komplett.
Diagnostik schafft Individualisierung. Individualisierung schafft Vertrauen. Und Vertrauen wird zukünftig wahrscheinlich die wichtigste Währung der Branche sein.
TikTok ersetzt keine Diagnostik
Redaktion: Gleichzeitig explodieren Trends und Social-Media-Hypes.
Prof. Harms: Genau das ist das Problem. Noch nie gab es so viele Haarprodukte und gleichzeitig so viele verunsicherte Menschen.
Menschen probieren wahllos Seren, Supplements oder TikTok-Trends aus, oft ohne jede Ahnung der eigentlichen Ursache.
Prof. Gänshirt: TikTok ersetzt keine Diagnostik.
Und genau hier entsteht die enorme Chance des professionellen Salons. Menschen sehnen sich zunehmend nach Orientierung in einem Markt voller Übersättigung.
Die erfolgreichsten Salons der Zukunft werden wahrscheinlich nicht jene sein, die Menschen noch mehr verkaufen. Sondern jene, die endlich Klarheit schaffen. Es geht um Qualität, nicht um Quantität.
Die Generation 45plus: Der wahrscheinlich wichtigste Zukunftsmarkt der Branche
Redaktion: Warum ist die Zielgruppe 45plus so entscheidend?
Prof. Gänshirt: Weil dort die biologischen Veränderungen beginnen, die Menschen emotional besonders stark wahrnehmen.
Dünner werdendes Haar. Verlust von Volumen. Empfindliche Kopfhaut. Veränderung der Haarqualität. Das betrifft Millionen Menschen.
Und plötzlich wird aus einem kosmetischen Thema eine emotionale Herausforderung.
Prof. Harms: Viele Menschen erleben Haarverlust wie einen Verlust von Vitalität. Genau deshalb suchen sie Orte, an denen sie verstanden werden.
Und genau darin liegt möglicherweise die größte Chance der Branche seit Jahrzehnten.
Friseur:innen als Vertrauenspersonen einer neuen Zeit
Redaktion: Bedeutet das auch ein neues Berufsbild?
Prof. Gänshirt: Absolut. Der Friseur der Zukunft wird wahrscheinlich nicht mehr nur Stylist sein.
Er wird Berater, Kopfhautexperte, Life-Style Coach und möglicherweise einer der letzten echten persönlichen Ansprechpartner in einer zunehmend digitalen Welt.
Prof. Harms: Kaum eine Berufsgruppe begleitet Menschen so regelmäßig und persönlich wie der Friseur. Genau darin liegt möglicherweise die eigentliche Zukunft dieser Branche: Nicht in der Perfektion eines Schnittes. Sondern in der Tiefe menschlicher Beziehung.
Der Salon der Zukunft verkauft nicht Produkte – sondern Bedeutung
Redaktion: Was bedeutet das wirtschaftlich konkret?
Prof. Gänshirt: Kompetenz schafft stärkere Kundenbindung, höhere Loyalität, bessere Weiterempfehlung und ein hochwertigeres Markenimage.
Vor allem aber verlässt der Salon dadurch den ruinösen Preiskampf.
Produkte kann man kopieren. Preise unterbieten. Trends imitieren.
Vertrauen nicht.
Prof. Harms: Die Frage ist möglicherweise nicht mehr, ob Salons Haargesundheit integrieren sollten. Sondern wie lange sie es sich leisten können, darauf zu verzichten.
„Die erfolgreichsten Salons der Zukunft werden nicht die lautesten sein.“
Redaktion: Wenn Sie Friseursalons heute eine einzige Botschaft mitgeben könnten – welche wäre das?
Prof. Gänshirt: Wer Haargesundheit heute noch als Zusatzgeschäft betrachtet, unterschätzt möglicherweise den größten Zukunftsmarkt der gesamten Branche.
Die größte Gefahr für Friseursalons ist wahrscheinlich nicht der Fachkräftemangel. Sondern die Austauschbarkeit.
Prof. Harms: Kompetenz beginnt immer mit Verständnis. Nicht mit Marketing. Nicht mit Trends. Sondern mit echter Expertise.
Prof. Gänshirt: Vielleicht kann man es sogar noch einfacher formulieren: Die Zukunft gehört nicht den lautesten Salons. Sondern den kompetentesten.
Prof. Harms: Möglicherweise wird man rückblickend einmal erkennen, dass Haare niemals nur Haare waren. Sie waren immer Ausdruck von Identität, Vitalität, Gesundheit und Selbstwahrnehmung.
Und vielleicht beginnt die Zukunft des Friseursalons deshalb auch nicht beim Styling. Sondern dort, wo Menschen spüren: „Hier sieht mich endlich jemand ganzheitlich. Hier wird nicht nur mein Haar betrachtet. Sondern meine persönliche Geschichte.“
Warum Haut, Haare und Nägel von denselben biologischen Prozessen profitieren.
Gesundes Haar entsteht nicht isoliert. Haut, Haare und Nägel werden von denselben biologischen Prozessen beeinflusst – von der Versorgung mit Mikronährstoffen bis hin zu Stoffwechsel, Hormonen und Lebensstil. Wer Haargesundheit ganzheitlich betrachtet, erkennt schnell: Die positiven Veränderungen beschränken sich häufig nicht nur auf das Haar.
„Der Körper entscheidet nicht zwischen Haut, Haaren und Nägeln – er versorgt alle drei Systeme mit denselben biologischen Bausteinen.“
Prof. Dr. Dr. Fred Harms
In den vergangenen Ausgaben unserer Serie haben wir gezeigt, dass gesundes Haar seinen Ursprung im Haarfollikel hat und von zahlreichen inneren Faktoren beeinflusst wird. Doch dieselben Prozesse wirken sich nicht nur auf das Haar aus.
Haut, Haare und Nägel bestehen aus eng miteinander verbundenen biologischen Strukturen. Sie benötigen eine kontinuierliche Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und weiteren Mikronährstoffen, damit sich ihre Zellen regelmäßig erneuern können. Kommt es zu einem Ungleichgewicht oder einer unzureichenden Versorgung, können sich Veränderungen häufig gleichzeitig an mehreren Stellen zeigen – etwa durch dünner werdendes Haar, brüchige Nägel oder eine trockenere Haut.
Für Friseur:innen eröffnet dieses Wissen eine neue Perspektive. Kund:innen sprechen häufig zunächst über ihre Haare, berichten im Gespräch aber auch über Veränderungen der Haut oder der Nägel. Solche Beobachtungen können Hinweise darauf geben, dass verschiedene Faktoren gemeinsam betrachtet werden sollten. Eine ganzheitliche Beratung schafft hier Verständnis und kann helfen, Zusammenhänge verständlich zu erklären.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich zunehmend mit diesem ganzheitlichen Ansatz. Studien zeigen, dass eine gezielte Versorgung mit ausgewählten Mikronährstoffen bei entsprechendem Bedarf nicht nur die Haarqualität unterstützen kann, sondern teilweise auch mit einer verbesserten Nagelstabilität, einer geringeren Brüchigkeit sowie einem positiveren Hautbild in Verbindung gebracht wird. Entscheidend ist dabei: Nicht einzelne Produkte stehen im Mittelpunkt, sondern die nachhaltige Unterstützung der natürlichen biologischen Prozesse.
Für den Salon bedeutet das einen wichtigen Perspektivwechsel. Haargesundheit endet nicht an der Haarspitze. Sie ist Teil eines umfassenden Verständnisses von Schönheit und Wohlbefinden. Wer diese Zusammenhänge kompetent vermitteln kann, stärkt das Vertrauen der Kund:innen und positioniert den Salon als modernen Ansprechpartner für ganzheitliche Beratung.


