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Best Practice Beispiel Boys Day | Interview mit Ralf Baier

Sie haben schon mehrfach am Boys’ Day teilgenommen. Was war der Moment, der Ihnen besonders gezeigt hat: Genau dafür lohnt es sich, jungen Menschen diesen Einblick zu geben?

Das sind für mich immer wieder die ganz jungen Teilnehmer. Vor allem, wenn die Eltern dahinterstehen. Je früher das Interesse geweckt wird, desto größer ist die Offenheit und die Begeisterung. Ein echter Wow-Moment war für mich, als Eltern bereit waren, fast 60 Kilometer zu fahren, nur damit ihr Sohn diesen Tag bei uns erleben kann.
Am Ende des Tages sehe ich oft strahlende Kinder, die mit Stolz erzählen, was sie alles gemacht haben. Für viele ist es der erste echte Schnuppertag im Berufsleben. Wir hatten sogar schon zwei Jungs, die im Alter von zehn Jahren beim Boys’ Day dabei waren. Diese Neugier, dieses Leuchten in den Augen, das ist unbezahlbar und zeigt mir jedes Mal: Genau deshalb mache ich das.

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Viele Jungs haben kaum Berührungspunkte mit dem Friseurberuf. Was erleben Sie, wenn sie zum ersten Mal Farbe auftragen oder das Föhnen und Styling übernehmen – und wie verändert sich ihr Blick auf das Handwerk im Laufe des Tages?

Am Anfang ist oft Zurückhaltung da, insbesondere bei älteren Jugendlichen, die womöglich schon von außen beeinflusst wurden und gewisse Vorurteile über unser Handwerk mitbringen. Bei den Jüngeren ist das ganz anders: Sie sind noch nicht voreingenommen, sondern einfach neugierig. Wenn sie selbst föhnen oder Farbe auftragen dürfen und am Arbeitsalltag wirklich mitwirken können, kommt schnell echte Begeisterung auf.
Sie merken, wie kreativ und vielseitig dieser Beruf ist. Und viele fragen direkt, ob sie wiederkommen dürfen. Genau deshalb ist es so wichtig, früh anzusetzen. Bevor Klischees den Blick verstellen.

Was möchten Sie Kolleginnen und Kollegen sagen, die noch zögern, beim Boys’ Day oder Girls’ Day mitzumachen – warum ist gerade unser Handwerk ein so starkes Signal für Offenheit, Kreativität und Zukunftschancen?

Mein klarer Rat: Gebt bereits Kinder zwischen zehn und 13 Jahren eine Chance. Lasst sie wirklich mitarbeiten, nicht nur danebenstehen. Das Mitwirken am echten Salonalltag macht Eindruck.
Wer früh Interesse zeigt, kommt oft freiwillig wieder. Vielleicht für einen Ferientag oder sogar eine ganze Woche. Für mich gilt: Kein „Bett-nahes“ Alibi-Praktikum, sondern echtes Mitmachen mit klaren Regeln. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Wertschätzung gehören dazu.
Unser Handwerk bietet so viele Chancen. Wenn wir das zeigen, gewinnen wir nicht nur Nachwuchs, sondern geben jungen Menschen echte Perspektiven.

 

Fotos: Ralf Baier

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